Astronomische Jahreszeiten und phänologische Jahreszeiten (Phasen) in Mitteleuropa

 

Im Alltagsleben wird das Jahr in vier Zeitabschnitte unterteilt, in die Jahreszeiten: Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Diese zeitliche Unterteilung erfolgt meist nach zwei unterschiedlichen Möglichkeiten:

Die Einteilung der astronomischen Jahreszeiten richtet sich nach den Tag-Nacht-Gleichen am 21. März und am 23. September sowie nach den Sonnwenden am 21. Juni und am 21. Dezember Diese Jahreszeiten-Einteilung liegt den meisten Kalendern zugrunde.

Die meteorologischen (klimatischen) Jahreszeiten richten sich nach der wechselnden Sonneneinstrahlung und den damit verbundenen unterschiedlichen Temperaturverhältnissen: Frühjahr von März bis Mai, Sommer von Juni bis August, Herbst von September bis November, Winter von Dezember bis Februar.

Für die jahreszeitliche Zuordnung von Wachstums- und Entwicklungserscheinungen bei Pflanzen sowie Tieren und deren Verhalten ist die meteorologische Jahreszeiteneinteilung oft zu grob und kann nur als Basis dienen. Deshalb wurden diese Jahreszeiten nochmals unterteilt in 10 phänologische Abschnitte, die phänologischen Jahreszeiten Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer, Hochsommer, Spätsommer, Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst und Winter. Zur Abgrenzung der phänologischen Jahreszeiten werden bei Pflanzen Erscheinungsformen ihrer Entwicklung (Blattaustrieb, Aufblühen, Samenaustreuen) von auffälligen Indikatorarten z.B. von Wildpflanzenarten wie Haselnuss, Schwarzer Holunder und Stieleiche, von Nutzpflanzen besonders von Obstbäumen und von Zierpflanzen wie z.B. von Forsythie und Zaubernuss genutzt. Bei Tieren lassen sich z.B. das Auftreten von Zitronenfalter und Kleinem Fuchs, oder typische Verhaltensweisen wie der erste Ruf des Kuckucks oder der Wegzug des Mauerseglers als Indikatoren nutzen.

Da sich die phänologischen Jahreszeiten nach Beobachtungen von Entwicklungs- und Verhaltenserscheinungen in der Natur richten, decken sich ihre zeitlichen Abgrenzungen nicht mit denen der astronomischen oder meteorologischen Jahreszeiten. Dabei spielen für den Beginn der phänologischen Jahreszeiten regionale Gegebenheiten eine Rolle, z. B. die Topografie des Bereichs und sein lokales Wetter. Deshalb ist das Aufblühen einer Indikatorpflanze wie das des Apfelbaums in Nordrhein-Westfalen in der Rheinebene und im Sauerland zeitlich recht unterschiedlich, aber der gleichen phänologischen Jahreszeit zuzuordnen ist. Somit sind auch die mit der Apfelblüte in ökologischer Beziehung stehenden Tiere wie die Hummeln zeitlich mit erfasst. Die phänologischen Jahreszeiten sind in besonderem Maße ökologisch ausgerichtet.

Einteilung der phänologischen Jahreszeiten am Beispiel der Blütenpflanzen im Laubwald im Vergleich zur zeitlichen Einteilung der kalendarischen (astronomischen) Jahreszeiten

Abbildung Phänologie 1: Einteilung der phänologischen "Jahreszeiten"

 

Veränderung des Beginns und der Länge von Jahreszeiten und phänologischen Phasen im Lauf von ca. 60 Jahren

Abbildung Phänologie 2: Veränderung der phänologischen Jahreszeiten