Vorwort

Natur beobachten, erfassen und erleben – Dies zu fördern ist ein wichtiger Bildungsauftrag der Schulen in der zunehmend digitalisierten Welt der Kinder und Jugendlichen. Deshalb wird für einen Schüler orientierten und deren Fachkompetenzen fördernden Unterricht in der Fachdidaktik und in den Fachlehrplänen für den Biologieunterricht in den Sekundarstufen I und II bei ökologischen Unterrichtsthemen der Freilandarbeit ein großer Stellenwert zugemessen. Im Kernlehrplan für das Fach Biologie für die Jahrgangsstufen 5-9 in Gymnasien des Landes Nordrhein-Westfalen (MSW NRW 2008) heißt es: „Der Biologieunterricht ermöglicht den Schülerinnen und Schülern die unmittelbare Begegnung mit Lebewesen und Natur… Exkursionen und Freilandarbeit sollen den Biologieunterricht durch Praxisbezug bereichern und ergänzen“. Der Kernlehrplan Biologie für die Sekundarstufe II Gymnasium/Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen (MSW NRW 2013) sieht wenigstens für den Leistungskurs einen praktischen Exkurs vor: „Die Schülerinnen und Schüler untersuchen das Vorkommen, die Abundanz und die Dispersion von Lebewesen eines Ökosystems im Freiland“.

Diese Vorgaben bedeuten, das Schulgebäude zu verlassen und zeitweise den Fachunterricht draußen stattfinden zu lassen, damit die Schüler wenigstens exemplarisch Pflanzen, Tiere und Pilze als Realobjekte im Umfeld der Schule selbst erleben können. Auch das Einbeziehen von kleinen feldbiologischen Projekten, durchgeführt  in erreichbarer Nähe zur Schule und integriert in einzelne Sequenzen des Biologieunterrichts, kann in besonderer Weise die fachbezogene Kompetenzschulung der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen fördern: Sie werden dazu angeleitet, Mitlebewesen in ihrem Lebensraum als Realobjekt zu beobachten, zu beschreiben und einzuordnen, Fragen zu ihren Lebensbedingungen und ihrer Lebensweise zu stellen und in bescheidenem Rahmen Untersuchungen zur Klärung dieser Fragen zu planen, durchzuführen und zu dokumentieren. Die Möglichkeit, dabei eigene Beobachtungen mittels Handy oder Tablet festzuhalten, eine eigene kleine unterrichtsbezogene Dokumentation zu erstellen und durch Angebote im Internet ergänzen zu können ist sicherlich eine motivierende Bereicherung des Biologieunterrichts.

Die jahrelange Erfahrung zeigt jedoch, dass aus unterschiedlichen, teilweise durchaus verständlichen Gründen ein Einbeziehen von praktischer Feldbiologie in den Fachunterricht kaum stattfindet. Ein entscheidendes Problem neben den immer wieder angeführten engen zeitlichen Rahmenbedingungen und schulorganisatorischen Zwängen, die zweifellos bestehen, ist die geringe Artenkenntnis vieler Biologielehrkräfte.  Auch in der Hochschulausbildung der jungen Fachkolleginnen und -kollegen wird die Artenkenntnis heimischer Pflanzen und Tiere durch den offensichtlich vielerorts geringen Stellenwert der Freilandbiologie nicht verbessert.

Da ein entsprechendes Verordnen in Lehrplänen alleine wenig an dieser Situation ändert, sind gezielte Unterstützungsmaßnahmen für die Lehrkräfte notwendig. Diese sollten einerseits beispielhaft zeigen, wie man unterschiedliche Hemmnisse bei der Einbeziehung von Freilandunterricht überwinden kann. Andererseits sollen als Ergänzung zur Freilandarbeit im Internet schnell erreichbare, auf Lehrplaninhalte abgestimmte Materialien zur Anregung und Nutzung im Unterricht anboten werden. Dabei muss betont werden, dass die Inhalte der Website nicht dazu gedacht sind, reales Beobachten und Erleben von Pflanzen, Tieren und Boden durch digitales Bildmaterial zu ersetzen. Als modernes Informationsmedium kann die Website gleichermaßen mittels Computer und digitale Tafeln, Tablet und Smartphone in der Schule und zuhause genutzt werden.

Das Internetportal ist auch als digitale Informationsplattform für diejenigen mittlerweile über hundert Schulen gedacht, die an der schulinternen Lehrerfortbildung „Biologie im Schulumfeld“ der Bezirksregierung Arnsberg teilnehmen oder teilgenommen haben.

Auf der Website werden Beispiele von durchgeführten Unterrichtsprojekten mit abrufbaren, grafisch in Form von Arbeitsblättern aufbereiteten Untersuchungsergebnissen bereitgestellt. Der Einsatz derartiger Untersuchungsergebnisse hat den pädagogischen Wert, dass sie ökologische Beziehungen am Wald der Heimatregion und damit an einem Beispiel aus der Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler aufzeigen. Das Themenarchiv enthält Zusammenstellungen von Materialien und Fotogalerien zu weiteren biologischen und evolutionsbiologischen Themen. Das Bildarchiv stellt Bildmaterial zu systematischen Tier-, Pflanzen-, Pilz- und Flechtengruppen bereit. Die Sammlungen sollen fortlaufend erweitert werden.

Auch wenn die Inhalte der Website primär als Unterstützungsmedium für den Biologieunterricht und die fachliche Lehreraus- und -weiterbildung gedacht sind, könnten viele Inhalte auch von forstlichen Instituten, Jugendwaldheimen, Mitgliedern der Naturschutzverbände, Biologischen Stationen sowie von privat interessierten Naturliebhabern genutzt werden.

Ohne die Mitarbeit von Kolleginnen und Kollegen sowie die Unterstützung externer Fachinstitute und heimischer Betriebe wäre die praktische Umsetzung der geplanten Untersuchungen nicht möglich gewesen. Ich danke Frau Oberstudienrätin i.R. Mechthild Voss, Arnsberg, für ihre vielfältigen chemischen Untersuchungen mit Schülergruppen zur Bodenökologie, meist neben ihrem planmäßigen Unterricht, und ihre guten Kontakte zu verschiedenen Fachinstituten und Betrieben mit Laboren. Ich danke Herrn Studiendirektor Martin Post, Arnsberg, für seine Mithilfe bei der Pflanzenkartierung sowie in seiner Funktion als Fachleiter für Biologie am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Arnsberg bei der Erarbeitung eines „Didaktischen Wegweisers“ zur Nutzung der Website im Unterricht.
Der Entwurf und die fortschreitende inhaltliche Gestaltung der Website wurde immer wieder in der Fortbildungsgruppe „Biologie im Schulumfeld“ der Bezirksregierung Arnsberg vorgestellt und diskutiert. Für die Weitergabe der Erfahrungen und die konstruktiven Hinweise der Fachkolleginnen und -kollegen bin ich diesen sehr dankbar.
Bedanken möchte ich mich bei den Mitarbeitern der Geologischen Landesamtes NRW (heute Geologischer Dienst NRW) für die Unterstützung von uns in der Bodenkunde unerfahrenen Lehrkräften, für die Bereitstellung verschiedener exakter Messdaten sowie die fortwährende fachliche Begleitung des Bodenprojekts. Bei der Messwerterfassung geholfen haben uns auch das Abwasserlabor des Ruhrverbandes in Arnsberg, die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt NRW (LUFA) in Münster, das Labor der Firma Perstorp in Arnsberg, das Labor der Firma Pfleiderer in Arnsberg und das Ausbildungslabor der Firma Schering in Bergkamen. Ihrer Aufgeschlossenheit gegenüber dem Schulprojekt und ihrer fachlichen Hilfe gilt mein Dank.
Ein besonderer Dank geht an das Webhosting-Unternehmen „Die Webagentur“ in Mühlhausen/Thüringen für die intensive Unterstützung bei der Einrichtung und der fortlaufenden professionellen Administration der Website.

Ich freue mich auch über Korrekturhinweise und Hinweise auf fachliche Ungenauigkeiten und Fehlbestimmungen von Arten. Auch für inhaltliche Verbesserungsvorschläge bin ich dankbar.

Ich hoffe, dass dieses Internetportal dazu beitragen kann, unseren Kindern und Jugendlichen durch eigenes Entdecken und eigene Anschauung faszinierende Einblicke in das scheinbar so normale, wenig spektakuläre und meist als „unordentlich“ wahrgenommen Grün rund um ihre Schule geben kann. Das Erleben der Natur im Freiland kann in besonderer Weise die Einsicht fördern, dass kein Lebewesen für sich alleine lebt, sondern in vielfältige und komplexe ökologische Beziehungen eingebunden ist. Damit trägt Freilandbiologie dazu bei, unseren Heranwachsenden das Verständnis für die Natur und Achtung vor den Mitlebewesen bewusst zu machen und sie entsprechend  verantwortlich handeln zu lassen.

Dortmund, im April 2017

Dr. Heinrich Blana