Beziehung zwischen dem Vorkommen der Schriftflechte und bodennaher Luftfeuchte

Die markanten Verbreitungsschwerpunkte der Schriftflechte in den Talbereichen und in der Nähe des Waldteiches lassen die Vermutung zu, dass eine höhere Luftfeuchtigkeit in der Umgebung der Gewässer eine wichtige Rolle beim Vorkommen der Flechte spielen könnte.

Fragestellung 7:
Lassen sich mittels bodennaher Verdunstungsmessungen Unterschiede in der Luftfeuchtigkeit im Bereich des Rumbecker Holzes ermitteln?
Lassen sich potentielle Luftfeuchte-Unterschiede in Beziehung zur Verbreitung der Schriftflechte setzen?

Methode
Als Hinweis auf kleinräumige Feuchtigkeitsunterschiede bewährten sich in Vorversuchen Verdunstungsmessungen über 1-2 Tage, um daraus die relative Luftfeuchtigkeit abzuleiten. Diese Messmethode hat den Vorteil, dass Ergebnisse von 24-Stunden Langzeitmessungen erfasst werden und nicht Kurzzeitmessungen zu einzelnen Zeitpunkten. Deshalb wurde mit Hilfe von Verdunstungsröhrchen entlang von Transekts die bodennahe Verdunstung in Bezug zu einer schulnahen Kontrollstelle gemessen.

Witterungsvoraussetzungen:

  • mindestens 25 Grad Tagestemperatur, um innerhalb von 24 Stunden differenzierte Messergebnisse erzielen zu können
  • kaum Windstärke, um zusätzliche Verdunstungseffekte zu vermeiden
Selbst erstelle Messvorrichtung zur Bestimmung der bodennahen Verdunstung über 24 Stunden. Benutzt wurden ein skaliertes 10ml-Reagenzglas, ein kleiner Rundfilter, ein Ständer aus Zaundraht und eine Halterung aus Blumendraht.
Abbildung 16

Herstellung von Verdunstungsröhrchen:

Skalierte 10 ml - Reagenzgläser werden vollständig mit Wasser gefüllt und anschließend mit einem kleinen Rundfilter, in das ein kleines Loch mit einer Nadel gestochen wurde, abgedeckt. Mit Hilfe eines Drahtes oder eines Gummis werden die Röhrchen umgekehrt 10 bis 15 cm über dem Boden einem Drahtständer so befestigt, dass es auch bei leichter Bewegung nicht an den Ständer stoßen kann. Ein Auslaufen der Röhrchen muss dann nicht befürchtet werden!

Kontrollmessungen:

Festlegen eines beschatteten Kontrollpunktes am Waldrand, der Bezugsmessungen an verschiedenen Tagen erlaubt und somit Messungen vergleichbar macht. Zur Sicherheit sollten hierfür mindestens 2 Messröhrchen verwendet werden.

Messdauer: 23 bis 28 Stunden

 

 

Untersuchungsergebnisse

Messergebnis der bodennahen Verdunstung entlang mehrerer Transekts im Rumbecker Holz über ca. 24 Stunden.
Abbildung 17

Die relativen Verdunstungswerte zeigen folgendes Bild innerhalb des geschlossenen Waldgebietes:

  • Die Talbereiche zeigen eine geringe bis sehr geringe Verdunstung
  • Geringer als das Mittel ist auch die Verdunstung in den Siepen
  • Der flache Hangbereich im Anschluss an den Friedhof weist eine mäßig hohe Verdunstung auf; lediglich im am weitesten westlich liegenden Abschnitt ist die Verdunstung geringer und entspricht der der Siepen
  • besonders hoch ist die Verdunstung auf der Kuppe oberhalb des Ruhrhanges

Da die Verdunstung zur Luftfeuchte umgekehrt proportional ist, lässt sich hieraus ein grob differenziertes Bild der bodennahen Luftfeuchte ableiten.

Wird das Verdunstungsbild mit dem Verbreitungsmuster der Schriftflechte in Verbindung gebracht, ergibt sich die folgende Karte:

Verbreitung der Schriftflechte im Rumbecker Holz in Beziehung zu den Messergebnissen zur bodennahen Verdunstung.
Abbildung 18
  • Die Schriftflechte kommt fast ausschließlich in Bereichen vor, deren Verdunstung den relativen Wert 8 nicht überschreitet.
  • Im Kuppenbereich des Ruhrhanges, der eine hohe relative Verdunstung von 10 bis 13 aufweist, wachsen Schriftflechten nur in oder an Siepen, deren Verdunstungswert bei 6 bis 8 liegt.
  • Besonders dichte Flechtenvorkommen sind bei Verdunstungswerten von 2 bis 6 festzustellen.

Setzt man die Lage der untersuchten Bäume mit ihrer maximalen Höhe von Schriftflechtenlagern am Stamm in Beziehung zu den Verdunstungs- bzw. Feuchtwerten (Abbildung 19), so fällt folgendes auf:

Verbreitung der Schriftflechtenlager im Rumbecker Holz in Bezug auf die maximal besiedelte Höhe am Hainbuchenstamm und in Beziehung zu den Messergebnissen zur bodennahen Verdunstung.
Abbildung 19
  • Höhen über 1 Meter werden nur in solchen Bereichen besiedelt, die einen maximalen Verdunstungswert von 7 nicht überschreiten.
  • Flechtenvorkommen in Stammhöhen von über 2 Metern gibt es nur bei Verdunstungswerten von 2 bis 5.

Die folgenden Verdunstungsmessungen wurden quer durch den westlich der Schule gelegenen Talbereich mit Hainbuchen und Schriftflechten im Talbereich durchgeführt. Zum einen wurde die relative Verdunstungsmenge an den Hängen bis zur Talsohle, zum anderen die  relative Verdunstungsmenge im Bereich der Flechtenlagern an 2 Hainbuchen von der Talsohle an bestimmt (Abbildung 20):

Verdunstungsmessungen quer durch einen Talbereich im Rumbecker Holz mit Hainbuchen und Schriftflechtenvorkommen. Es wurde die relative Verdunstungsmenge an den Hängen bis zur Talsohle sowie die relative Verdunstungsmenge im Bereich der Flechtenlager an 2 Hainbuchen von der Talsohle bis ca. 3m Höhe bestimmt.
Abbildung 20
Messwerte der Verdunstungsmessungen bodennah durch den Talbereich und vertikal entlang der Hainbuchenstämme. Wenn man die ähnlichen Messwerte an den Talhängen und an den Hainbuchen verbindet, lässt sich eine umgekehrte „Luftfeuchte-Glocke“ (blau) im Tal erkennen, mit zunehmender Luftfeuchte zum Bachbett.
Abbildung 21

Aus Abbildung 21 lässt sich ablesen, dass die bodennahen relativen Verdunstungswerte um 8 vom oberen Rand des Siepens im unteren Talbereich bei etwa 3 Meter Höhe erreicht werden. Wenn man die ähnlichen Messwerte an den Talhängen und an den Hainbuchen verbindet, lässt sich eine umgekehrte „Luftfeuchte-Glocke“ (blau) im Tal ableiten mit einem Feuchte-Maximum im unteren Siepenbereich. Das Vorkommen der Schriftflechte in diesem Bereich ist ebenfalls auf eine maximale Stammhöhe von 3 Metern beschränkt. Damit wird bei der Stammhöhen-Verbreitung der Schriftflechte ein relativer Verdunstungswert von 8 nicht überschritten. Dies deutet zusätzlich darauf hin, dass die relative Luftfeuchte, hier bestimmt über die Verdunstung, ein entscheidender begrenzender ökologischer Standortfaktor für die Schriftflechte ist.