Amsel (Turdus merula)

Verbreitung, Bestand, Brut- und Nahrungsraum im Rumbecker Holz

Steckbrief der Amsel (pdf-Datei)

Abbildung Männchen, Abbildung Weibchen

Verbreitung der Amsel in Nordrhein-Westfalen

 

Amsel Karte 1: Kartierungsergebnis der Amsel aus 6 Kontrollgängen Ende März bis Mitte Juni
Amsel Karte 2: Verteilung der Papierreviere der Amsel
Amsel Karte 3: Verteilung der Reviere der Amsel in Verbindung mit der Ausprägung der Baumschicht

 

 

 

 

 

 

 

 

Erläuterung zu Karte 1: Registrierungsergebnis

Amseln zeigen – wie andere heimische Drosselarten - ausgeprägte Gesangsmaxima am Morgen und am Abend (siehe Grafik „Registrierungsmuster von Vogelarten, Beispiel Singdrossel“). Da aber im vorliegenden Fall die Registrierungen nur zwischen 14.00 und 18.00 Uhr durchgeführt wurden, sind sicherlich nicht alle Amseln des Rumbecker Holzes erfasst worden. Das Registrierungsmuster vermittelt den Eindruck, dass diese sehr häufige Vogelart fast überall auf der Waldfläche zu finden ist.

Erläuterung zu Karte 2: Revierverteilung

Nach der Festlegung der Papierreviere fällt auf, dass die wahrscheinlich vorhandenen 37 Brutreviere der Amsel im Rumbecker Holz keineswegs gleichmäßig über die Fläche verteilt sind. Eine hohe Revierdichte zeigt sich im direkten Umfeld des Schulgeländes sowie angrenzend an die Wohnsiedlung. Eine größere Revierdichte lässt sich auch im Bereich des Schwiedinghauser Bachs angrenzend an das Freibadgelände feststellen. Kaum Brutreviere sind innerhalb des größeren Waldbereichs im Nordwesten angrenzend an den Friedhof zu finden. Mit Hilfe der verschiedenen thematischen Hintergrundkarten zur Waldstruktur und zur Umgebung lassen sich mögliche Gründe für die ungleiche Revier-Verteilung auf der Untersuchungsfläche herleiten.

Erläuterung zu Karte 3: Revierverteilung und Baumschicht-Ausprägung

Aus der Karte lässt sich vermuten, dass eine geringe Revierdichte in mehreren Waldbereichen mit der dort vorhandenen Dichte der Kronenschicht zusammenhängen könnte. Allerdings kann man erkennen, dass die Amsel wenigstens den Rand von dunklen Waldpartien in ihr Brutrevier einbezieht. Ein direkter Zusammenhang der Lage des Brutreviers mit der Dichte des Kronenschlusses und damit einer relativ hohen Beschattung unterhalb der Baumkronen ist eher unwahrscheinlich, da das Nest in nur geringer Vegetationshöhe gebaut wird (siehe Steckbrief der Amsel). Somit ist der Einfluss eines dichten Kronendachs auf die Ausprägung von Strauch- und Krautschicht von großer Bedeutung (siehe Grundlagenkarte 2b und folgende Karte 4). Es zeigt sich, dass die Dichte der Baumschicht alleine vermutlich kein entscheidendes Strukturmerkmal für den Revierstandort ist. Eine Besonderheit der Baumschicht stellen die drei Fichteninseln in dem sonst recht homogenen Laubwald dar. Da einige Vogelarten bei ihrem bevorzugten Revierstandort mit Brut- und Nahrungsraum zwischen Laub-, Nadel- und Mischwald unterscheiden, lässt sich beim Verbreitungsbild einer Art auf der Untersuchungsfläche erkennen, ob eine besondere Präferenz für die Fichteninseln vorhanden ist.

Amsel Karte 4: Verteilung der Reviere der Amsel in Verbindung mit der Ausprägung der Strauchschicht
Amsel Karte 5: Verteilung der Reviere der Amsel in Verbindung mit der Ausprägung der Krautschicht
Karte 6a: Registrierung Nahrung suchender Amseln am Boden

 

 

 

 

 

 

 

 

Erläuterung zu Karte 4: Revierverteilung und Strauchschicht-Ausprägung

Zwischen der Ausprägung der Strauchschicht und der Dichte des Kronenschlusses in der Baumschicht und damit der Lichtintensität unter den Kronen besteht ein deutlicher Zusammenhang. Dies geht aus der Grundlagenkarte 2b hervor. Strauchverbreitung und Dichte der Strauchschicht sind auf der Gesamtfläche in Bereichen mit hohem Kronenschluss deutlich geringer (siehe auch Standortbilder Nr. 1 und Nr. 2). Somit ist zu klären, ob die Revier-Verteilung einer Vogelart primär von der Ausprägung der Strauchschicht und somit nur indirekt von der Ausprägung der Baumschicht oder der Krautschicht abhängt. In der Karte 4 lässt sich deutlich erkennen, dass Teilflächen mit sehr geringem Strauchbewuchs von der Amsel nicht als Revier angenommen werden. Die Mehrzahl der Reviere liegt in oder am Rand von Bereichen mit mäßig bis stark ausgeprägtem Strauchvorkommen. Auffällig ist, dass der Streifen der ehemals geplanten Straßentrasse (siehe Kapitel „Menschliche Eingriffe in den Boden“), der dicht mit Stangenholz bestanden war (siehe Kapitel Strauchverbreitung „Jungholz“ , meist nur randlich in die Brutreviere einbezogen wurde.

Erläuterung zu Karte 5: Revierverteilung und Krautschicht-Ausprägung

Die meisten Reviere liegen an Stellen mit einer mäßig bis gering ausgeprägten Krautschicht, vor allem im Innenbereich der Untersuchungsfläche. Damit verbunden ist auf dem überwiegend sauren modrigen Boden (siehe Kapitel „Humusformen im Rumbecker Holz“) an vielen Stellen eine relativ dicke Laubschicht vorhanden (siehe Standortbilder Nr. 1 und Nr. 12). Diese vegetationsarmen Bodenflächen spielen eine wichtige Rolle als Nahrungsraum der Amsel (siehe Karten 6a – 6c).

Erläuterung zu Karte 6a: Registrierung Nahrungssuche

Von den insgesamt 139 Amsel-Registrierungen während der 6 Kontrollgänge waren 65% der Beobachtungen Amseln, die auf dem Boden - meist im Laub – nach Futter suchten. Dies hing sicherlich auch mit der Tageszeit der Kontrollgänge zusammen, welche das morgendliche Gesangsmaximum der Amsel nicht einbezog. Die Verteilung der Futter suchenden Amseln konzentrierte sich hauptsächlich auf die größeren flachen Bereiche der Untersuchungsfläche. Die Siepenbereiche mit ihren steilen Seitenhängen blieben als Futterflächen fast vollständig ausgespart. Teilweise suchten Amseln Futter an und in den Siepenbächen (siehe blaue Pfeile).

Amsel Karte 6b: Einzelbeobachtungen von am Boden suchenden Altvögeln in Beziehung zur Ausprägung der Krautschicht im Rumbecker Holz
Amsel Karte 6c: Einzelbeobachtungen von am Boden suchenden Altvögeln in Beziehung zur Ausprägung der Krautschicht und der Verteilung der Reviere im Rumbecker Holz
Amsel Karte 7: Verteilung der Reviere der Amsel in Beziehung zur landschaftlichen Ausprägung von Randbereichen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erläuterung zu Karte 6b: Nahrungssuche und Ausprägung der Krautschicht

Aus der Karte wird deutlich, dass die Futtersuche am Boden fast ausschließlich auf krautarmen Teilflächen stattfand, welche einen großen Anteil freier Laubflächen boten.

Erläuterung zu Karte 6c: Verteilung der Reviere und Stellen der Nahrungssuche

In Karte 6c ist die Verteilung der Brutreviere auf dem Hintergrund der für den Brutplatz der Amsel entscheidenden Ausprägung der Strauchschicht (siehe Karte 4) mit den Stellen der Futtersuche kombiniert. Es lässt sich erkennen, dass die Futtersuche am Boden in der Mehrzahl im oder am Bereich von Brutrevieren stattfand. Es wurde jedoch nicht überprüft, ob ein Brutrevier und die dort Futter suchenden Altvögel wirklich zusammengehören.

Erläuterung zu Karte 7: Revierverteilung und Randbereich

Aus der Karte 7 lässt sich entnehmen, dass etwa die Hälfte der Amselreviere im erweiterten Randbereich zwischen der Waldfläche und den umgebenden Landschaftsbereichen liegt. Allerdings wird nicht deutlich, ob daraus bei der Revierbildung eine deutliche Präferenz für den Rand der Untersuchungsfläche unter Mitnutzung von Nachbarflächen außerhalb des Walds abgeleitet werden kann. Vorstellbar ist, dass im Grenzraum Wald- Siedlungsraum die Rasenflächen der Hausgärten und des Schulgeländes als Nahrungsraum mitgenutzt werden. Grundsätzlich scheint das stärkere Vorhandensein von Sträuchern als möglicher Brutplatz in der Nähe des Waldrands entscheidend zu sein (siehe Karte 4). Dies stützt die Beobachtung, dass die zweite Hälfte der Reviere auf strauchreichen Teilflächen mit benachbarten Laubflächen im Inneren der Waldfläche liegt.

Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse zur Standortwahl des Brutreviers der Amsel in Abhängigkeit von der Laubwald-Struktur im Rumbecker Holz

  • Die Amsel besiedelt sowohl Teilbereiche mit stark geschlossener als auch solche mit weniger geschlossener Baumschicht, wobei letztere bevorzugt werden.
  • Entscheidend für das Vorhandensein von Brutrevieren sind dichte Strauchbereiche, welche in lichteren Baumschichtbereichen wesentlich ausgeprägter sind.
  • Ebenso wichtig ist eine vegetationsarme Bodenoberfläche mit ausgeprägten vegetationsarmen Laubflächen angrenzend an meist dichten Strauchbereiche der Brutreviere.
  • Die Nahrungssuche findet auf den Laubflächen sowie an oder in Bächen statt, die sich in der Nähe von dichtem Strauchbewuchs befinden.
  • Eine deutliche Präferenz für den Randbereich der Waldfläche ist nicht erkennbar.

Vergleich und Ergänzung mit Daten der Fachliteratur

Vergleicht man die Untersuchungsergebnisse des Schulprojekts zur Lebensraumstruktur der Amsel mit den entsprechenden Daten aus der Fachliteratur (siehe Steckbrief der Amsel), werden die wesentlichen schulischen Untersuchungsergebnisse zur Biotopstruktur eines Amselreviers und zum Ort des Nahrungserwerbs der Amsel durch die wissenschaftlichen Aussagen bestätigt.

.Zusätzlich werden im Steckbrief Untersuchungsdaten zur Biotopstruktur von Amselrevieren im Kulturland und in Siedlungsbereichen im Zuge der Verstädterung zusammengestellt. Deutlich wird, dass die Amsel auch hier die gleichen drei grundlegenden Biotop-Strukturelemente für ihren Lebensraum während der Brutsaison benötigt wie sie in ihrem ursprünglichen Lebensraum Wald vorhanden sind: dichte Strauchbereiche als Brut- und Fluchtorte kombiniert mit Baumbeständen als Singwarten und angrenzenden vegetationsarmen oder kurzrasigen Bodenflächen zur Nahrungssuche. Dies ist in Hausgärten und Parks vielfach gegeben, so dass die Amsel heute auf Siedlungsflächen wesentlich häufiger vorkommt als in ihrem ursprünglichen Lebensraum Wald.

Schema zum Strukturgefüge des Fortpflanzungs- und Nahrungsraums

Aus den vorliegenden Untersuchungsergebnissen und zusätzlichen Angaben zur Fortpflanzung (siehe Steckbrief der Amsel) lässt sich das folgende Schema zur Struktur des Lebensraums der Amsel erstellen. Es erlaubt durch einen Vergleich mit entsprechenden Schemata anderer Brutvogelarten im Rumbecker Holz eine Abschätzung des Grads der ökologischen Nischentrennung bzw. -überlappung beim Brut- und Nahrungsraum zwischen den Vogelarten innerhalb des desselben Wald-Biotops.

Schema zum Brut- und Nahrungsraum der Amsel im Rumbecker Holz