Methode der Brutvogelerfassung

Grundvoraussetzung für eine Vogelkartierung ist genügend Erfahrung in der richtigen Ansprache der Vogelarten im Gelände mittels artspezifischer morphologischer Kennzeichen, Gesang und Rufen.

Ziel der Kartierung im Rumbecker Holz

Für die praktische Durchführung der Kartierung sollte klar sein, für welches Untersuchungsziel und für welchen praktischen Einsatz ein Kartierungsergebnis benötigt wird, weil davon die Art der Methode, die anzustrebende Genauigkeit des Kartierungsergebnisses und damit der einzubringende Zeitaufwand abhängen. Ziele der Vogelkartierung im Rumbecker Holz waren:

  • Zusammenstellung einer Artenliste der vorkommenden Vogelarten
  • Verteilung von wahrscheinlichen Brutrevieren der Vogelarten auf der Untersuchungsfläche Rumbecker Holz
  • Möglichkeit einer Kombination der Revierkartierungs-Ergebnisse mit Kartierungsergebnissen zur Ausprägung der Waldschichten und weiteren Geländestrukturen
  • Ableiten von möglichen Abhängigkeiten der Revierverteilung einer Art von der Ausprägung der Waldstrukturen

Es war nicht Ziel dieser Vogelkartierung, eine möglichst genaue Bestandsdichte jeder Vogelart auf der Untersuchungsfläche zu erfassen. Vielmehr sollte eine Grundlage von Kartierungsdaten erstellt werden, die in der Schule eine grobe Herleitung ökologischer Beziehungen zwischen Vogelvorkommen und Waldstruktur mit Daten aus dem Schulwald zulassen. Dies bringt mit sich, dass eine entsprechende ökologische Auswertung nur bei den häufigeren Arten erfolgen konnte.

Vorbereitung

Eine Vogelkartierung bedarf einiger Vorbereitungsschritte:

  • Man benötigt von dem Untersuchungsgelände eine Kartengrundlage, die im Gelände eine gute Orientierung bietet. Für eine relativ kleine Fläche wie das Rumbecker Holz mit 25 ha eignet sich ein Ausschnitt aus der Deutschen Grundkarte 1:5000 (heute Amtliche Basiskarte) in digitaler Form, die nochmals vergrößert werden kann.
  • Vor Beginn der eigentlichen Vogelkartierung sollte man sich mit dem Gelände der Untersuchungsfläche gut vertraut machen. Zur besseren Geländeorientierung sollten auf der Karte markante, gut sichtbare Geländemarken verdeutlicht werden, um die Vogelbeobachtungen im Gelände möglichst genau zu lokalisieren.
  • Zur Vorbereitung gehört auch mindestens eine Vorexkursion, um auf diese Weise einen Großteil der zu erwartenden Vogelarten festzustellen.
  • Für die einzelnen Vogelarten werden einfache Kartier-Abkürzungen festgelegt, welche mit Signaturen für die jeweilige Aktivität des beobachteten Vogels kombiniert werden.

Jahres-, Tageszeit und Anzahl der Kontrollgänge

Es sollten im Zeitraum zwischen Anfang März und Mitte Juni mindestens fünf Kontrollgänge, halbwegs gleichmäßig verteilt, durchgeführt werden. Für die Kartierung der Singvögel ist die Gesangsregistrierung besonders wichtig. Die optimale Tageszeit zur Kartierung ist der Morgen zwischen Sonnenaufgang und etwa 9.00 Uhr, weil in diesem Zeitraum viele Singvogelarten ihre höchste Gesangsaktivität zeigen. Es lässt sich aber aus der folgenden Grafik ablesen, dass die Gesangsaktivität im Tagesverlauf zwischen den Arten sehr verschieden sein kann. Viele Arten singen häufig auch am Spätnachmittag oder sind den ganzen Tag über gesangsaktiv.

Abb. : Beispiele des Registrierungsmusters von Brutvogelarten im Jahres- und Tagesverlauf (verändert aus BLANA 1978)

Die Kontrollgänge für die vorliegende Vogelkartierung im Rumbecker Holz konnten nur am Nachmittag (14.00 bis 18.00 Uhr) durchgeführt werden, so dass sicherlich nicht alle Revierinhaber erfasst wurden.

Tageskarten

Für jeden der Kontrollgänge wird eine sogenannte Tageskarte angefertigt. Während eines Kontrollgangs werden die Registrierungen der Individuen aller Vogelarten einschließlich deren Aktivität in der jeweiligen Tageskarte festgehalten. Die folgende Abbildung zeigt beispielhaft die Tageskarte vom 3. Kontrollgang Ende April. Die Tageskarte enthält auch Angaben zum örtlichen Wetter.

Abb.: Beispiel einer Tageskarte

Für jede Vogelart werden die Registrierungsergebnisse der Kontrollgänge - voneinander unterscheidbar - auf eine eigene Artkarte übertragen. In der folgenden Abbildung ist beispielhaft die Artkarte der Amsel dargestellt.

Abb.: Artkarte am Beispiel der Amsel

Bildung von Papierrevieren und Revierkarten

Anhand der Registrierungsergebnisse auf den Artkarten lassen sich sogenannte Papierreviere, ein Bereich mit einem vermutlich vorhandenen Brutplatz einer Art, bilden. Dabei muss Folgendes beachtet werden:

  • Entscheidend sind Registrierungen mit revieranzeigenden Verhaltensweisen: Gesang, Futter tragende Altvögel, Revierkämpfe, Nest.
  • Für die Bildung eines Papierreviers muss wenigstens eine derartige Registrierung berücksichtigt werden. Eine weitere darf nicht vom selben Kontrollgang stammen, da diese Vögel gleichzeitig registriert wurden.
  • Für die Revierbildung werden mindestens zwei zusammenliegende Registrierungen aus unterschiedlichen Kontrollgängen benötigt, besser mehr.
  • Einzelne isolierte Beobachtungen eines Vogels singend, auf der Futtersuche oder ohne Aktivität werden bei der Bildung der Papierreviere nicht berücksichtigt. Sie können aber bei der Herleitung von Abhängigkeiten einer Vogelart von Waldstrukturen, z. B. bei Hinweisen auf den Nahrungsraum, zusätzlichen Aufschluss geben. Deshalb werden Einzelregistrierungen mit revieranzeigenden Merkmalen als "Papierrevier unbestätigt" auf der Karte vermerkt.
Abb.: Konstruierte Papierreviere am Beispiel der Amsel

 

In Abbildung  ist als Beispiel die Revierkarte der Amsel dargestellt, in der die gebildeten Papierreviere im Rumbecker Holz erkennbar sind. Diese artspezifischen Revierkarten lassen sich mit den Karten zur Ausprägung der Waldschichten und der Strukturbereiche im Rumbecker Holz (siehe Kapitel "Karten Waldschichten" und "Karten Bodenstrukturen") zu einem Kartensatz kombinieren.

Methodenstandards zur Erfassung von Brutvögeln für Projekte des Naturschutzes und der Landschaftsplanung, bei denen höhere Ansprüche an die methodische Genauigkeit als im vorliegenden Fall gestellt werden, können den Veröffentlichungen von SÜDBECK et al. (2005) und LANDESAMT FÜR NATUR, UMWELT UND VERBRAUCHERSCHUTZ NRW (2016) entnommen werden.