Bestandsdichteermittlung bei der Wespenspinne im Bereich der mittleren Ruhr 1998 - 2003

Mit dem ersten massiven Auftreten der Wespenspinne im Raum Arnsberg im Jahr 1998 wurde damit begonnen, auf verschiedenen Monitor-Flächen auch die Bestandsdichte dieser neu eingewanderten Spinnenart zu ermitteln. Dieses Dichte-Monitoring erfolgte zum Teil über mehrere Jahre hinweg bis 2003, um auf diese Weise auch Hinweise auf die Populationsdichte-Fluktuationen zu erhalten.

Bestandsdichteerfassung entlang eines Transekts in der Ruhraue bei Arnsberg-Neheim
Ergebnis der Bestandserfassung entlang eines Transekts in Arnsberg-Neheim
Tabelle 1

In der Ruhraue zwischen Neheim und dem Rumbecker Holz wurde die Bestandsdichte weiblicher adulter Wespenspinnen genauer erfasst. Die Zählung erfolgte entlang eines ca. 2,5 Meter breiten und ca. 650 Meter langen Transekts. Von 1998 bis 2002 zeigt sich das in Tabelle 1 zusammengestellte Dichteergebnis. Die 64 Netze auf dem Transektband im Jahr 1998 entsprechen einer durchschnittlichen Dichte von etwa 4 Netzen pro 100 m². Der geschätzte Bestand auf dem ca. 1 km langen und durchschnittlich 20 m breiten Ruhrauenabschnitt in der Nähe der Schule umfasst somit ca. 800 besetzte Spinnennetze.

 
 
 
 Bestandsdichteerfassung auf einer Probefläche in der Ruhraue bei Arnsberg-Neheim 1998 - 2003
Markierung der Netze mittels angespitztem Holzstab und Bierdeckel (links). Verteilung der Netze auf der markierten Kontrollfläche (rechts)
Abbildung 12

Für die Bestimmung der Bestandsdichte wurde eine 15 x 6 Meter große Kontrollfläche in der Ruhraue gewählt, die von der Pickenhain-Fußgängerbrücke über die Ruhr und die Ruhraue gut einzusehen war. Auf dieser Monitorfläche wurden jeweils Ende August bei sonnigem Wetter die Netzstandorte der Wespenspinne möglichst genau kartiert. Dazu wurde jedes Netz mittels eines Holzstabes markiert, auf dem ein weißer Karton befestigt war. Dann wurde die Fläche von dem erhöhten Standort auf der Brücke fotografiert und auf dem Bild die Monitorfläche markiert (siehe Abbildung 12). Die Bestandserfassung wurde über einen Zeitraum von sechs Jahren jeweils zwischen Ende August und Mitte September durchgeführt. Durch den von Jahr zu Jahr etwas wechselnden Bildaufnahme-Standort auf der Brücke ist die Sicht auf die Probefläche jeweils etwas unterschiedlich. Die Markierung zeigt die ausgemessene Fläche an. Die Erfassungsergebnisse sind den Abbildungen 13 bis 18 zu entnehmen. Im Jahr 2004 wurde die Kontrollfläche durch Bauarbeiten an der Brücke zerstört.

Wurden 1998 auf der Probefläche 34 Netze festgestellt, waren es 1999 nur 7, Ende August 2000 wieder 14. Die Dichte sank von 4,1 Spinnennetze pro 10 m² im Jahr 1998 auf 0,8 Spinnennetze pro 10 m² im Jahr 1999 und stieg im Jahr 2000 auf 1,6 Spinnennetze pro 10 m². 2001 konnten ebenfalls 14 Netze gezählt werden. 2002 waren es noch 4 Netze auf der Probefläche, 2003 nur 2 Netze. Auch die räumliche Verteilung der Netze und deren Veränderung im Laufe der Jahre ist auffällig: Innerhalb der Probefläche wurde 1998 und 2000 eine relativ hohe Dichte auf einem Streifen neben dem Weg festgestellt. 1999 wurden nur Netze innerhalb dieses Streifens sowie im Wegebereich selbst (hier nicht dargestellt) gefunden. 2000 bis 2002 wurden zunehmend mehr Netze im Bereich des Weges festgestellt, 2003 allerdings nicht mehr. Diese Veränderung deutet darauf hin, dass sich nicht nur die Populationsdichte von Jahr zu Jahr gravierend ändern kann, sondern dass sich auch die räumliche Verteilung je nach Wuchsstadium der Vegetation auf einer solchen Sukzessionsflächeverändert, da offensichtlich Bereiche mit einer mehr grasigen Krautflur als Habitat bevorzugt werden.

Anzahl und Verteilung der Wespenspinnennetze auf der Kontrollfläche 1998.
Abbildung 13
Anzahl und Verteilung der Wespenspinnennetze auf der Kontrollfläche 1999.
Abbildung 14
Anzahl und Verteilung der Wespenspinnennetze auf der Kontrollfläche 2000.
Abbildung 15

 

 

 

 

 

 

 

Anzahl und Verteilung der Wespenspinnennetze auf der Kontrollfläche 2001.
Abbildung 16
Anzahl und Verteilung der Wespenspinnennetze auf der Kontrollfläche 2002.
Abbildung 17
Anzahl und Verteilung der Wespenspinnennetze auf der Kontrollfläche 2003.
Abbildung 18
 

 

 

 

 

 

 

Bestandsdichte auf einer Probefläche in Fröndenberg

Ende August und Anfang September 1999 wurden auf einer kleinen, 330 m² umfassenden Ruderalfläche in Fröndenberg zwischen Stadtzentrum und Ruhr Daten zur Bestandsdichte gesammelt:

Bestandsdichte der Wespenspinne in Abhängigkeit von der Jahreszeit.
Tabelle 2

Fasst man besetzte und leere Netze zusammen, entsprach die Bestandsdichte Anfang September 3,1 adulten Weibchen pro 10 m². Allerdings nahm die Dichte im Laufe des Septembers durch das Absterben der Weibchen nach der Eiablage schnell ab. Diese Erfassungsfläche wurde Mitte 2000 durch „Kultivierung“ vernichtet.

 
 
Bestandsdichte von Eikokons

In der Ruhraue Neheim wurden am 10.09.98 sowie auf der Brachfläche Fröndenberg am 05.09.99 Eikokons gezählt:

  • Ruhraue:           beiderseits des Weges auf einer Länge von 40m und einer Breite von 2m 26 Kokons
  • Fröndenberg:   auf der 330m² großen Brachfläche 171 Kokons
Jährliche Bestanddichte-Schwankungen
Vergleich der Bestandsdichte der Wespenspinne in aufeinander folgenden Jahren. * = Krautflur durch Mahd oder Beweidung vernichtet.
Tabelle 3

Die gegenüber 1998 wesentlich geringere Häufigkeit zeigt sich fast durchweg im gesamten Untersuchungsraum. In der Tabelle 3 sind die Erfassungsdaten der beiden Jahre 1998 und 1999 an den gleichen Standorten auf derselben in etwa gleich großen Untersuchungsfläche gegenübergestellt. In den Jahren 2000 und 2001 wurde nur noch ein Teil der Flächen untersucht. 1999 konnte im Vergleich zu 1998 auf denselben Flächen insgesamt nur 35% der Netzzahlen mit adulten Spinnenweibchen festgestellt werden. Auf einzelnen Flächen zeigten sich aber auch 1999 hohe Dichten, z.B. auf einer Brachfläche in Fröndenberg und einer jungen grasigen Aufforstungsfläche in Neheim. In den folgenden beiden Jahren nahm auf den Beobachtungsflächen in Neheim die Netzdichte wieder zu, allerdings je nach Fläche in unterschiedlichem Umfang. Die 1998 und 1999 festgestellten maximalen Dichten von 3 - 4 Spinnen pro 10 m² entsprechen auch Dichtewerten, die
bei anderen Untersuchungen festgestellt wurden, z.B. KÖHLER & SCHÄLLER (1987) in Thüringen 3,5 - 3,7 Spinnen pro
10 m².

Die im Bereich der mittleren Ruhr festgestellten wechselnden Bestandsdichten deuten darauf hin, dass die Wespenspinne massiven jährlichen Populationsdichteschwankungen unterliegt. Hinweise hierauf zeigt auch die Zusammenstellung der Funddaten von FELDMANN (2007) für die Jahre 2005 und 2006, die zum großen Teil in einem ähnlichen regionalen Raum erhoben wurden wie die Daten der vorliegenden Untersuchung. Ein genaueres Bild dieser Populationsdynamik lässt sich aus den Untersuchungsergebnissen der Langzeitstudie von KÖHLER & SCHÄLLER (1987) aus dem mittleren Saaletal in Thüringen gewinnen (Abbildung 19):

Fluktuationen der Dichte einer Wespenspinnenpopulation bei Jena.
Abbildung 19

Hier zeigt sich eine fluktuierende Dichteänderung im Rhythmus von 3 Jahren mit großen Amplitudenschwankungen. Eine derartige ausgeprägte Populationsdynamik ist typisch für r-Strategen, die kurzlebige Sukzessionsstadien besiedeln und in Zeiten der Populationsdichtemaxima einem hohen Ausbreitungsdruck unterliegen. Als Ursache für die auffälligen Populationsdichteschwankungen werden makro- und mikroklimatische abiotsche Faktoren wie Temperatur, Sonnenscheindauer, Niederschlag sowie biotische Faktoren wie Beuteangebot und Parasitismus diskutiert.