Habitat und Netzstandort

Habitate und deren Struktur

Die Fundorte der Wespenspinne im Bereich der mittleren Ruhr können den in Abbildung 20 zusammengestellten Lebensräumen zugeordnet werden. Als gemeinsame Strukturmerkmale dieser Lebensräume der Wespenspinne lassen sich erkennen:

  • Offene, besonnte Flächen ohne größeren Baum- oder Strauchbestand
  • Grasreiche Flächen mit Hochstaudenbewuchs und noch stehendem Altgras, insgesamt mit nicht zu hohem Deckungsgrad
  • Oft eine Präferenz für Randbereiche
Art und Anzahl der Wespenspinnenhabitate auf den Erfassungsflächen
Tabelle 4

Diese Merkmale der Wespenspinnen-Habitate werden auch aus der Zusammenstellung in FELDMANN (2007) deutlich. Wie groß die Bedeutung von Grasbewuchs, Deckungsgrad und Randeffekten ist, lässt sich aus der räumlichen Verschiebung der Besiedlung in der Ruhraue von 1998 bis 2002 von der Hochstaudenflur in den Randbereich des Weges mit starkem Grasbewuchs (Abbildungen 13 bis 18) ableiten.

Hochstaudenflur in der Ruhraue bei Neheim.
Abbildung 20a
Gras- und Hochstaudenflur an der Ruhr in Fröndenberg,.
Abbildung 20b
Gras- und Hochstaudenflur auf dem Standortübungsplatz Hengsen.
Abbildung 20c
Junge Aufforstungsfläche
Abbildung 20d
Ruderalfläche auf Bauerwartungsland in Fröndenberg
Abbildung 20e

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Netzstandort und Netzraum

Die Präferenz für etwas lückige grasreiche Hochstaudenflächen erlaubt der Wespenspinne, ihren artspezifischen Netzraum mit dem relativ kleinen Netz anzufertigen. Dieser wird als bewuchsfreier Raum ganz oder teilweise durch Zusammenspinnen von Gräsern im unteren Bereich des Bewuches aktiv geschaffen oder bei bereits vorhandenen Bewuchslücken zwischen Stauden und Gräsern noch passend erweitert. Hierfür eignen sich besonders grasreiche Randzonen wie Wegränder oder Ränder an kleinen vegetationsarmen Inselflächen, da vom offenen Rand aus in den Bewuchs hineingebaut werden kann. Dies erklärt die deutlich höhere Dichte an den Säumen der Habitatflächen (siehe Abbildungen 14, 17, 18 sowie FELDMANN 2007). Der geschaffene Netzfreiraum ähnelt einem Fußabruck im Gras (siehe Abbildungen 21 und 22).

Zwei Netze der Wespenspinne in Netzräumen, die am Rand einer Grasfläche von der Spinne hergestellt wurden.
Abbildung 21
Zwei Netze in Lücken zwischen Polstern von Tüpfel-Johanniskraut auf der Kontrollfläche in der Ruhraue.
Abbildung 22

Mit den Schülern wurden Ende August Größe des Netzraums, Höhe des Netzzentrums über dem Boden, Höhe und Breite des Netzes, der vertikale Neigungswinkel des Netzes sowie der Abstand der Netze von den Nachbarnetzen ermittelt (Arbeitsblatt siehe „Materialien Wespenspinne“). Auch wenn der Stichprobenumfang dieser als Unterrichtsprojekt durchgeführten Untersuchung recht gering ist und vermehrt Messfehler der noch unerfahrenen Schüler berücksichtigt werden müssen, sind die Auswerteergebnisse im Vergleich zu umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen sehr beachtlich.

 

 

Untersuchungsergebnisse zum Netzraum der Wespenspinne in der Ruhraue: links: Netzraum am Rand des Weges; Mitte: Messdaten zur Netzraumgröße in Aufsicht, grün Mittelwert von 30x38 cm, Variationsspannen (n = 20); rechts: Neigungswinkel der Netzachse, gelb Mittelwert von 15°, Variationsspanne 4° - 38° (n = 21).
Abbildung 23
Messergebnisse zur Netzgröße der Wespenspinne in der Ruhraue; rot: durchschnittliche Netzbreite x Netzhöhe = 33 x 35 cm, Variationsspannen 20-35 cm x 22-44 cm (n = 14).
Abbildung 24
Höhe des Netzzentrums über dem Boden; Mittelwert 37 cm, Variationspanne 16 cm - 64 cm (n = 22).
Abbildung 25

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus Abbildung 23 sind die Messdaten zur Größe des Netzraums und zur Neigung des Netzes der Wespenspinne zu entnehmen: Der durch das Wespenspinnenweibchen teilweise oder ganz geschaffene offene Netzraum in der Krautschicht ist im Durchschnitt 30 x 38 cm groß und weicht im Einzelfall von diesem Wert nicht sonderlich stark ab. Dadurch wird für die potentielle Beute wie Feldheuschrecken, Bienen und Fliegen eine Bereich geschaffen, der springend oder fliegend überquert werden muss, allerdings durch ein passend großes, für die Insekten nicht sichtbares Netz versperrt wird. Das Netz ist durchschnittlich um 15° (bei FELDMANN 2007 um 9°) zum Boden hin geneigt (siehe Abbildung 23). Es beginnt bei einer durchschnittlichen Höhe von 18 cm über dem Boden. Das Netzzentrum befindet sich im Durchschnitt 37 cm über dem Boden (siehe Abbildung 25). FELDMANN (2007) ermittelte bei einem großen Stichprobenumfang eine mittlere Höhe des Netzzentrums von 31 cm. Aus Abbildung 24 ist zu entnehmen, dass das Wespenspinnennetz durchschnittlich 33 cm breit und 35 cm hoch ist und damit für eine der größten heimischen Radnetzspinnen relativ klein ist. Trotzdem ist die Wespenspinne als Räuber in ihrem Nahrungsraum, der unteren Krautschicht, sehr erfolgreich. Dazu tragen sicherlich auch die aufeinander abgestimmte Struktur des Netzraums und die dort eingepasste Netzkonstruktion bei: Das Netz wird bodennahe als zentrale Barriere in den freien Netzraum eingewoben, oft etwas höher als breit, und füllt diesen im Wesentlichen aus. Durch seine Bodenneigung wird auf der geneigten Seite der Weg durch den Freiraum für springende und fliegende Insekten nach oben verstärkt versperrt. Da die Spinne meist im Zentrum der geneigten Seite sitzt, kann sie die im Netz verfangene Beute schnell ergreifen, lähmen und einspinnen. Dies trifft besonders auf Feldheuschrecken zu, die im unteren Bereich der Krautschicht leben und Freiräume springend überwinden. Die in der „Bildergalerie Wespenspinne“ zusammengestellten Bilder zum Beutefang zeigen deutlich, dass besonders Heuschrecken an der zum Boden geneigten und Spinne zugewandten Seite des Netzes gefangen wurden. Gesicherte Untersuchungsergebnisse zu dieser Hypothese stehen allerdings noch aus.

Abstand der Wespenspinnennetze untereinander in der Ruhraue 1998, Mittelwert 124 cm
Abbildung 26

Ist auf Flächen mit optimaler Habitatstruktur die Populationsdichte hoch, können die Netze der weiblichen Wespenspinnen recht dicht beieinander liegen. Dies zeigt Abbildung 26 für Kontrollfläche in der Ruhraue 1998. Aus Abbildung 17 ist zu ersehen, dass 2002 auf dem grasigen Wegrandbereich neben der Kontrollfläche der Netzbestand besonders dicht war.

 

 

 

 

Standort der Eikokons

In unmittelbarer Nähe des Netzes präpariert das Wespenspinnenweibchen eine oder mehrere Stellen zum Befestigen von Eikonkons. Dazu werden trockene Grashalme oder Staudenstängel zu einem zeltartigen Büschel zusammengesponnen und in dessen Zentrum ein oder mehrere Eikokons befestigt (siehe Abbildungen 27). Legt ein Weibchen seine Eier nacheinander in mehreren Kokons ab, werden diese immer kleiner. Der krug- oder ballonförmige Eikokon wird außen oft mit einem seidenen Schutzgewebe versehen (siehe Abbildung 28). Allerdings werden davon parasitische Schlupfwespen nicht abgehalten, ihre Eier durch das Kokongewebe hindurch an die Spinneneier zu legen (Abbildung 29).

In Grasbüschel eingesponnene Eikokons der Wespenspinne
Abbildung 27
In trockene Grashalme eingesponnener krugförmiger Eikokon der Wespenspinne.
Abbildung 28
Eine Schlupfwespe legt ihre Eier durch das Kokon-Gespinst an die Eier der Wespemspinne.
Abbildung 29