Neophyten im Rumbecker Holz

Abb. 1: Blüten des Drüsigen Springkrauts
Abb. 2: Blüten des Kleinblütigen Springkrauts
Abb. 3: Blütenstand des Riesen-Bärenklaus

 

 

 

 

 

 

 

Als Neophyten bezeichnet man gebietsfremde Pflanzenarten, die nach 1492, dem Jahr der Entdeckung Amerikas, und damit mit dem Beginn eines umfassenden globalen Handels und Warenaustauschs durch den Menschen nach Europa gebracht wurden. Gebietsfremde Arten, die vor 1492 eingeführt wurden, z.B. durch die Römer, nennt man Archäophyten. Gebietseigene Arten werden auch als indogen bezeichnet. Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele gebietsfremde Pflanzenarten (und Tier- und Pilzarten)  gezielt oder unfreiwillig nach Mitteleuropa eingeführt oder eingeschleppt und konnten sich in heimischen Ökosystemen etablieren. Aber nur relativ wenige Neophyten verhalten sich invasiv, d.h. sie zeigen eine starke Ausbreitungstendenz und einen starken Konkurrenzdruck gegenüber der indogenen Flora. Eine Übersicht über die Bewertung von Neophyten im Hinblick auf deren ökologischen Auswirkungen und den Naturschutz gibt NEHRING et al. (2013). Viele Details zu biologischen Invasionen in Mitteleuropa lassen sich dem umfassenden Werk von KOWARIK (2010) entnehmen. Eine Zusammenstellung der derzeitig als invasiv eingestuften gebietsfremden Pflanzenarten in Deutschland ist der Liste der Neophyten der BUNDESANSTALT FÜR NATURSCHUTZ  im Floraweb zu entnehmen.

Im Rumbecker Holz kamen und kommen derzeit (Kontrolle 2016) fünf Neophyten-Arten vor:

Verbreitung von Neophyten im Rumbecker Holz
Herkunft, Ausbreitung und ökologisches Verhalten der fünf Neophyten-Arten im Rumbecker Holz (nach KOWARIK 2010):

Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) stammt aus dem westlichen Himalaja. Es wurde 1839 zunächst nach England eingeführt und gelangte von dort  in andere europäische Länder. Es wurde als attraktive Gartenpflanze und Bienenweide in Gärten, an Waldrändern und Gewässerufern ausgesät. Vor allem entlang der Bach- und Flussläufe fand der Neophyt seine bevorzugten Standortbedingungen vor (hohe Boden-Feuchtigkeit, geringer Boden-Säuregehalt und hoher Boden-Stickstoffgehalt) und breitete sich mittels des Schleuder-Mechanismus der Fruchtkapsel zur Samenverbreitung schnell aus. Der dem Rumbecker Holz benachbarte Ruhrabschnitt ist in großen Abschnitten von einem dichten Springkrautsaum besiedelt. Hinzu kommt, dass das drüsige Springkraut ziemlich schattenverträglich ist und deshalb lokal in den Wald vordringt (siehe Karte). 

Das Kleinblütige Springkraut  (Impatiens parviflora) stammt aus Mittelasien. Seine Ausbreitung begann 1837 aus den botanischen Gärten von Dresden und Genf in Parks und Gärten. Erst nach 1900 gelangte das Kleinblütige Springkraut zunehmend in Wälder und ist heute der häufigste Neophyt in verschiedenen Waldtypen. Im Vergleich mit dem Drüsigen Springkraut und dem indogenen Großen Springkraut weist das Kleinblütige Springkraut einen wesenlich größeren ökologischen Existenzbereich auf: Es wächst auf frischen bis sehr feuchten Böden, ist indifferent gegenüber dem Bodensäuregehalt und wächst auch auf mäßig stickstoffreichen Böden. Außerdem ist es schattenverträglich. Aus der Verbreitungskarte im Rumbecker Holz ist zu erkennen, dass das Kleinblütige Springkraut zwar den Verbreitungs-Schwerpunkt in feuchten nährstoffreichen Siepenbereichen hat, aber auch großflächig auf weniger feuchten und nährstoffärmeren Waldbereichen häufig zu finden ist.

Der Japanische Knöterich (Fallopia japonica) stammt aus Ostasien und wurde 1923 als Zierpflanze eingeführt. Der Neophyt wurde  zur Böschungsbefestigung sowie zur Wilddeckung und -äsung ausgesät. Ausbreitungsschwerpunkt sind Uferbereiche von Fließgewässern, u.a. auch an der Ruhr in der Nachbarschaft zum Rumbecker Holz. Aus der Verbreitungskarte geht hervor, dass 1996 nur vereinzelte kleinere Vorkommen des Japanischen Knöterichs festgestellt wurden und sich diese bis 2016 (Kontrolle) nur wenig ausgebreitet hatten. Allerdings zeigt sich eine Zunahme der Knöterichbestände entlang des Baumbaches.

Der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) stammt aus dem westliches Kaukasus und wurde vermutlich 1890 nach Europa eingeführt und als Zierpflanze in Gärten und Parks sowie als Bienenweide ausgesät. Wegen der starken Ausbreitungs-Tendenz vor allem entlang von Gewässern sowie wegen der gesundheitsschädigenden phototoxischen Inhaltsstoffe ist das Vorkommen des Riesen-Bärenklaus als sehr problematisch anzusehen. Am Rand des Rumbecker Holzes existiert bis heute ein kleines Vorkommen auf einer feuchten Aufschüttung. Die Vorkommen des Riesen-Bärenklaus werden vor allem entlang der renaturierten Ruhr von Seiten der Stadt Arnsberg intensiv bekämpft.

Die Gemeine Schneebeere (Symphoricarpus albus) stammt aus Nordamerika und wurde 1817 eingeführt. Schneebeeren wurden und werden zur gärtnerischen Gestaltung  und als Bienenweide genutzt. Die Bestände am und im Wald sind meist ausgewilderte Gartenpflanzen, die sich vegetativ ausbreiten können. Der derzeitige Bestand im Rumbecker Holz beschränkt sich auf Randbereiche am Schulgelände und zeigt keine große Ausbreitungstendenz.