Vergleich der ökologischen Existenz und der Vergesellschaftung von Gefäßpflanzen auf Standorten im Rumbecker Holz und in der Sternhelle

Die Untersuchungsflächen sind zwar beides Laubwaldbestände, weisen aber einige für den Pflanzenbestand wichtige Unterschiede auf:

  • Die Unterfläche Rumbecker Holz ist  25 ha groß, die Größe der Untersuchungsfläche Sternhelle beträgt nur 5 ha.
  • Das Rumbecker Holz ist Teil der großen Lüerwalds und grenzt durch Ausweitung von Siedlungsflächen an bebauten Raum. Die Sternhelle war bis vor einigen Jahren vollständig von Wiesen umschlossen.
  • Durch das Bodenrelief ist der Hang des Rumbecker Holzes in zwei unterschiedliche Bereiche geteilt: in einen größeren flach abfallenden oberen Bereich und  einen schmaleren unteren Bereich, der ziemlich steil und durch Siepen eingekerbt zum Ruhrtal abfällt. Dagegen ist die Sternhelle ein recht steiler Hangbereich mit einheitlichem Relief, ausgehend von eine flachen Kuppe und abfallend zum oberen Baumbach-Tal.
  • Die Hangneigung ist im Rumbecker Holz nach Nordwesten, in der Sternhelle nach Westen ausgerichtet.
  • Durch wasserführende Siepen, eine Quelle, mehrere Sickerhorizonte und zusätzlich eingeleitetes Oberflächenwasser weist das Rumbecker Holz ein Mosaik aus Bereichen unterschiedlicher Bodenfeuchtigkeit von mäßig frisch bis sehr nass auf. Der Boden in der Sternhelle ist im Wesentlichen einheitlich frisch bis feucht und nur sehr lokal sehr feucht.
  • Durch das Rumbecker Holz verlaufen mehrere häufiger genutzte Wege und Pfade, in der Sternhelle gibt es nur einzelne, wenig genutzte Trampelpfade.

Vor allem die große Standort-Heterogenität im Rumbecker Holz muss bei dem Vergleich der Pflanzenwelt der beiden Untersuchungsflächen beachtet werden.

Auf der Basis von Artenlisten, Zeigerwerten und ökologischen Gruppierungen der Gefäßpflanzen läßt sich eine pflanzensoziologische Einordnung in verschiedene Pflanzengesellschaften auf den beiden Untersuchungsflächen vornehmen. Wegen der verschiedenen Teillebensräume im Rumbecker Holz wurden neben den beiden Gesamt-Artenlisten auch drei Teilartenlisten erstellt, um bessere Vergleichsmöglichkeiten für das Erkennen von Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu haben: Eine Zusammenstellung derjenigen Pflanzenarten, die nur im Rumbecker Holz vorkommen, eine von Pflanzenarten, die nur in der Sternhelle wachsen und eine Zusammenstellung mit Pflanzenarten, die auf beiden Untersuchungsflächen zu finden sind. Berücksichtigt wurden hierbei nur Arten der Krautschicht und der Strauchschicht ohne Baum-Jungwuchs.

Untersuchungs-Daten für den Vergleich der Pflanzenbestände

a. Artenlisten und Zeigerwerte der Kräuter und Sträucher
Gesamt-Liste Pflanzen Rumbecker Holz
Teil-Liste 1: Pflanzen nur im Rumbecker Holz
Teil-Liste 2: Pflanzen im Rumbecker Holz und in der Sternhelle

 

 

 

 

 

 

 

Gesamt-Liste Pflanzen Sternhelle
Teil-Liste 3: Pflanzen nur in der Sternhelle

 

 

 

 

 

 

 

b. Ökologische Gruppen im Rumbecker Holz

Auswertung der Untersuchungsdaten

Aus dem Vergleich der Artenlisten und der Zeigerwerte sowie der Zuordnung vieler Arten zu ökologischen Gruppen entsprechend ihrer ökologischen Existenz an den veschiedenen Standorten lässt sich Folgendes ableiten:

Diejenigen Arten, die nur im Rumbecker Holz vorkommen (Teil-Liste 1), zeigen entweder sauren bis sehr sauren Boden (Zeigerwerte R2 bis R4) oft kombiniert mit stickstoffarmem bis sehr stickstoffarmem Boden (N2 bis N4). Oder sie zeigen sehr feuchten bis nassen Boden (Zeigerwerte F7 bis F9) an. Entsprechend ihrem Verbreitungsbild sind sie einerseits den ökologischen Gruppen mit ökologischer Existenz auf sauren Böden (Drahtschmielengruppe, Hainsimsengruppe, Adlerfarngruppe), anderseits den ökologischen Gruppen mit ökologischer Existenz auf nassen Böden (Winkelseggengruppe, Milzkrautguppe) zugeordnet.

Aus der Auflistung derjenigen Arten, die nur in der Sternhelle vorkommen (Teil-Liste 3), ist zu entnehmen, dass hier weder Arten mit Zeigerwerten für sauren bis sehr sauren Boden, noch Arten mit Zeigerwerten für sehr feuchte bis nasse Böden vorkommen. Da die Sternhelle keine besonders feuchten oder nassen Wald-Bereiche aufweist, sondern die Feuchte-Zeigerwerte bei F4 bis F6 liegen, werden die Arten der Winkelseggengruppe und der Milzkrautgruppe nicht weiter in den Vergleich einbezogen.

Die Verbreitungsbilder der Drahtschmielen-, Hainsimsen- und Adlerfarngruppe - zusammengefasst in der Obergruppe 1 - lassen erkennen, dass für einen großen Teil des Hangbereichs im Rumbecker Holzes eine relativ artenarme Pflanzengesellschaft auf saurem, nährstoffarmem Boden charakteristisch ist. Auf die Entstehung dieses sauren Bodens auf der Basis des hier vorhandenen Grundgesteins wird kurz im vorangegangenen Kapitel "Vergleich der Bodenverhältnisse" eingegangen. Aus Sicht der pflanzensoziologischen Systematik (u.a. RUNGE 1980, POTT 1992, ELLENBERG & LEUSCHNER 2010) handelt es sich um die in Bergland-Buchenwäldern häufige Assoziation "Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum)" mit der namensgebenden Charakterart "Schmalblättrige Hainsimse (Luzula luzuloides)".

Eine völlig andere Pflanzengesellschaft zeigt sich in der Sternhelle. Aus der Teil-Liste 3 lässt sich entnehmen, dass hier viele Pflanzenarten mit einer ökologischen Existenz auf schwach sauren und stickstoffreichen Boden dominieren, die im Rumbecker Holz nicht vorkommen. Die durchschnittlichen Zeigerwerte liegen beim Feuchtegrad bei 4,9, beim Boden-Säuregehalt bei 6,9 und beim Boden-Stickstoffgehalt bei 5,9. Ursache für den schwach sauren Boden ist das carbonathaltige Grundgestein an dieser Stelle. Nach der pflanzensoziologischen Einordnung handelt es sich um die Assoziation "Perlgras-Buchenwald (Melico-Fagetum)" in unterschiedlichen Subassoziations-Ausprägungen. Hinzu kommen Arten des  "Orchideen-Buchenwalds (Cephalanthero-Fagetum)".

Neben den typischen Pflanzenarten des Perlgras-Buchenwalds ist in der Sternhelle eine Reihe von Begleitarten mit einer ökologischen Existenz auf schwach saurem und nährstoffreichem Boden zu finden, die auch im Rumbecker Holz in bestimmten Bereichen vorhanden sind. Vor allem Arten  der Waldflattergras-Gruppe, teilweise auch der Hexenkraut-Gruppe und der Waldseggen-Gruppe sind im weniger sauren, etwas nährstoffreichen und stellenweise feuchten oberen Hangbereich zu finden. Pflanzensoziologisch kann dieser Teil des Rumbecker Holzes der Pflanzengesellschaft "Sauerklee-Eichen-Hainbuchenwald (Querco-Carpinetum oxalidetosum)" zugeordnet werden.

Weitere Begleitarten der Sternhelle findet man im Rumbecker Holz an nährstoffreichen Wald- und Wegrändern wie Arten der Nelkenwurz- und der Brennnessel-Gruppe. Pflanzensoziologischen handelt es sich hier um nitrophile Saumgesellschaften, wie den "Nelkenwurz-Knoblauchrauken-Schattensaum (Geo-Alliarion petiolatae)" im Waldinneren entlang von Wegen und um den Brennnessel-Giersch-Saum (Urtico-Aegopodietum podagrariae) am Waldrand. Das auffällige Verbreitungsbild dieser Pflanzengesellschaften auf der Untersuchungsfläche ist in den Verbreitungskarten der Nelkenwurz- und der Brennnessel-Gruppe sowie der Karte der Obergruppe 3 erkennbar. 

Der Vergleich der Pflanzenarten im Rumbecker Holz und in der Sternhelle lässt auch ein Phänomen erkennen, welches in der Pflanzenwelt der Alpen weit verbreitet ist: sich auf Silikatgestein und Kalkgestein vertretende Arten derselben Gattung (vikariierende Artenpaare), hier ein Windröschenpaar (Gattung Anemone) und ein Veilchenpaar (Gattung Viola).

Busch-Windröschen (Anemone nemorosa)
Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides)
Hain-Veilchen (Viola riviniana)
Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana)

 

 

 

 

 

 

Während das Windröschenpaar leicht auseinander zu halten ist, fällt dies bei den beiden Veilchenarten schwerer. Ein halbwegs sicheres Unterscheidungsmerkmal ist die Ausbildung des Blütensporns: Beim Waldveilchen ist der Sporn im Vergleich dünner, gerade und dunkelblau. Das Hainveilchen zeigt einen leicht gebogenen, am Ende sackförmigen, weißen, etwas hellblau überlaufenen Sporn. Gelbes Windröschen und Waldveilchen wachsen auf kalkreichem, schwach saurem, humusreichen, feuchtem Boden. Sie sind in der Sternhelle verbreitet und häufig. Busch-Windröschen und Hainveilchen sind auf mäßig saurem, etwas stickstoffreichem, nicht zu feuchtem Boden zu finden (s. Verbreitungskarten Buschwindröschen, Hainveilchen).